{"id":208,"date":"2019-12-06T00:00:26","date_gmt":"2019-12-05T23:00:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/?p=208"},"modified":"2019-12-05T16:35:35","modified_gmt":"2019-12-05T15:35:35","slug":"haensel-und-gretel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/haensel-und-gretel\/","title":{"rendered":"H\u00e4nsel und Gretel"},"content":{"rendered":"<div   data-size='no scaling'  data-lightbox_size='large'  data-animation='slide'  data-conditional_play=''  data-ids='48'  data-video_counter='0'  data-autoplay='false'  data-bg_slider='false'  data-slide_height=''  data-handle='av_slideshow'  data-interval='5'  data-class=' avia-builder-el-0  el_before_av_one_full  avia-builder-el-first  '  data-el_id=''  data-css_id=''  data-scroll_down=''  data-control_layout='av-control-hidden'  data-custom_markup=''  data-perma_caption=''  data-autoplay_stopper=''  data-image_attachment=''  data-min_height='0px'  class='avia-slideshow avia-slideshow-1  av-control-hidden av-default-height-applied avia-slideshow-no scaling av_slideshow  avia-builder-el-0  el_before_av_one_full  avia-builder-el-first   avia-slide-slider '  itemprop=\"image\" itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/ImageObject\" ><ul class='avia-slideshow-inner ' style='padding-bottom: 41.35%;' ><li  class=' av-single-slide slide-1 ' ><div data-rel='slideshow-1' class='avia-slide-wrap '   ><img src='http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/06_pnet_Adventskalender2019_Web-Header_haensel-gretel.jpg' width='2000' height='827' title='' alt=''  itemprop=\"thumbnailUrl\"   \/><\/div><\/li><\/ul><\/div>\n<div class=\"flex_column av_one_full  flex_column_div av-zero-column-padding first  avia-builder-el-1  el_after_av_slideshow  avia-builder-el-last  \" style='border-radius:0px; '><section class=\"av_textblock_section \"  itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/BlogPosting\" itemprop=\"blogPost\" ><div class='avia_textblock  '   itemprop=\"text\" ><p class=\"maerchen\">Vor einem gro\u00dfen Walde wohnte ein armer Holzhacker mit seiner Frau und seinen zwei Kindern; das B\u00fcbchen hie\u00df H\u00e4nsel und das M\u00e4dchen Gretel. Er hatte wenig zu bei\u00dfen und zu brechen, und einmal, als gro\u00dfe Teuerung ins Land kam, konnte er das t\u00e4gliche Brot nicht mehr schaffen. Wie er sich nun abends im Bette Gedanken machte und sich vor Sorgen herumw\u00e4lzte, seufzte er und sprach zu seiner Frau: \u00bbWas soll aus uns werden? Wie k\u00f6nnen wir unsere armen Kinder ern\u00e4hren da wir f\u00fcr uns selbst nichts mehr haben?\u00ab\u00a0\u2013 \u00bbWei\u00dft du was, Mann,\u00ab antwortete die Frau, \u00bbwir wollen morgen in aller Fr\u00fche die Kinder hinaus in den Wald f\u00fchren, wo er am dicksten ist. Da machen wir ihnen ein Feuer an und geben jedem noch ein St\u00fcckchen Brot, dann gehen wir an unsere Arbeit und lassen sie allein. Sie finden den Weg nicht wieder nach Haus, und wir sind sie los.\u00ab\u00a0\u2013 \u00bbNein, Frau,\u00ab sagte der Mann, \u00bbdas tue ich nicht; wie sollt ich\u2019s \u00fcbers Herz bringen, meine Kinder im Walde allein zu lassen! Die wilden Tiere w\u00fcrden bald kommen und sie zerrei\u00dfen.\u00ab\u00a0\u2013 \u00bbOh, du Narr,\u00ab sagte sie, \u00bbdann m\u00fcssen wir alle viere Hungers sterben, du kannst nur die Bretter f\u00fcr die S\u00e4rge hobeln,\u00ab und lie\u00df ihm keine Ruhe, bis er einwilligte. \u00bbAber die armen Kinder dauern mich doch,\u00ab sagte der Mann.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-408\" src=\"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-1.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"316\" srcset=\"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-1.jpg 816w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-1-608x480.jpg 608w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-1-760x600.jpg 760w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-1-768x606.jpg 768w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-1-705x556.jpg 705w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>Die zwei Kinder hatten vor Hunger auch nicht einschlafen k\u00f6nnen und hatten geh\u00f6rt, was die Stiefmutter zum Vater gesagt hatte. Gretel weinte bittere Tr\u00e4nen und sprach zu H\u00e4nsel: \u00bbNun ist\u2019s um uns geschehen.\u00ab\u00a0\u2013 \u00bbStill, Gretel,\u00ab sprach H\u00e4nsel, \u00bbgr\u00e4me dich nicht, ich will uns schon helfen.\u00ab Und als die Alten eingeschlafen waren, stand er auf, zog sein R\u00f6cklein an, machte die Untert\u00fcre auf und schlich sich hinaus. Da schien der Mond ganz hell, und die wei\u00dfen Kieselsteine, die vor dem Haus lagen, gl\u00e4nzten wie lauter Batzen. H\u00e4nsel b\u00fcckte sich und steckte so viele in sein Rockt\u00e4schlein, als nur hinein wollten. Dann ging er wieder zur\u00fcck, sprach zu Gretel: \u00bbSei getrost, liebes Schwesterchen, und schlaf nur ruhig ein, Gott wird uns nicht verlassen,\u00ab und legte sich wieder in sein Bett.<\/p>\n<p>Als der Tag anbrach, noch ehe die Sonne aufgegangen war, kam schon die Frau und weckte die beiden Kinder: \u00bbSteht auf, ihr Faulenzer, wir wollen in den Wald gehen und Holz holen.\u00ab Dann gab sie jedem ein St\u00fcckchen Brot und sprach: \u00bbDa habt ihr etwas f\u00fcr den Mittag, aber e\u00dft\u2019s nicht vorher auf, weiter kriegt ihr nichts.\u00ab Gretel nahm das Brot unter die Sch\u00fcrze, weil H\u00e4nsel die Steine in der Tasche hatte. Danach machten sie sich alle zusammen auf den Weg nach dem Wald. Als sie ein Weilchen gegangen waren, stand H\u00e4nsel still und guckte nach dem Haus zur\u00fcck und tat das wieder und immer wieder. Der Vater sprach: \u00bbH\u00e4nsel, was guckst du da und bleibst zur\u00fcck, hab acht und vergi\u00df deine Beine nicht!\u00ab\u00a0\u2013 \u00bbAch, Vater,\u00ab sagte H\u00e4nsel, \u00bbich sehe nach meinem wei\u00dfen K\u00e4tzchen, das sitzt oben auf dem Dach und will mir Ade sagen.\u00ab Die Frau sprach: \u00bbNarr, das ist dein K\u00e4tzchen nicht, das ist die Morgensonne, die auf den Schornstein scheint.\u00ab H\u00e4nsel aber hatte nicht nach dem K\u00e4tzchen gesehen, sondern immer einen von den blanken Kieselsteinen aus seiner Tasche auf den Weg geworfen.<\/p>\n<p>Als sie mitten in den Wald gekommen waren, sprach der Vater: \u00bbNun sammelt Holz, ihr Kinder, ich will ein Feuer anmachen, damit ihr nicht friert.\u00ab H\u00e4nsel und Gretel trugen Reisig zusammen, einen kleinen Berg hoch. Das Reisig ward angez\u00fcndet, und als die Flamme recht hoch brannte, sagte die Frau: \u00bbNun legt euch ans Feuer, ihr Kinder, und ruht euch aus, wir gehen in den Wald und hauen Holz. Wenn wir fertig sind, kommen wir wieder und holen euch ab.\u00ab<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-413\" src=\"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-2.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"625\" srcset=\"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-2.jpg 768w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-2-307x480.jpg 307w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-2-384x600.jpg 384w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-2-451x705.jpg 451w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>H\u00e4nsel und Gretel sa\u00dfen um das Feuer, und als der Mittag kam, a\u00df jedes sein St\u00fccklein Brot. Und weil sie die Schl\u00e4ge der Holzaxt h\u00f6rten, so glaubten sie, ihr Vater w\u00e4r\u2019 in der N\u00e4he. Es war aber nicht die Holzaxt, es war ein Ast, den er an einen d\u00fcrren Baum gebunden hatte und den der Wind hin und her schlug. Und als sie so lange gesessen hatten, fielen ihnen die Augen vor M\u00fcdigkeit zu, und sie schliefen fest ein. Als sie endlich erwachten, war es schon finstere Nacht. Gretel fing an zu weinen und sprach: \u00bbWie sollen wir nun aus dem Wald kommen?\u00ab H\u00e4nsel aber tr\u00f6stete sie: \u00bbWart nur ein Weilchen, bis der Mond aufgegangen ist, dann wollen wir den Weg schon finden.\u00ab Und als der volle Mond aufgestiegen war, so nahm H\u00e4nsel sein Schwesterchern an der Hand und ging den Kieselsteinen nach, die schimmerten wie neugeschlagene Batzen und zeigten ihnen den Weg. Sie gingen die ganze Nacht hindurch und kamen bei anbrechendem Tag wieder zu ihres Vaters Haus. Sie klopften an die T\u00fcr, und als die Frau aufmachte und sah, da\u00df es H\u00e4nsel und Gretel waren, sprach sie: \u00bbIhr b\u00f6sen Kinder, was habt ihr so lange im Walde geschlafen, wir haben geglaubt, ihr wollet gar nicht wiederkommen.\u00ab Der Vater aber freute sich, denn es war ihm zu Herzen gegangen, da\u00df er sie so allein zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n<p>Nicht lange danach war wieder Not in allen Ecken, und die Kinder h\u00f6rten, wie die Mutter nachts im Bette zu dem Vater sprach: \u00bbAlles ist wieder aufgezehrt, wir haben noch einen halben Laib Brot, hernach hat das Lied ein Ende. Die Kinder m\u00fcssen fort, wir wollen sie tiefer in den Wald hineinf\u00fchren, damit sie den Weg nicht wieder herausfinden; es ist sonst keine Rettung f\u00fcr uns.\u00ab Dem Mann fiel\u2019s schwer aufs Herz, und er dachte: Es w\u00e4re besser, da\u00df du den letzten Bissen mit deinen Kindern teiltest. Aber die Frau h\u00f6rte auf nichts, was er sagte, schalt ihn und machte ihm Vorw\u00fcrfe. Wer A sagt, mu\u00df B sagen, und weil er das erstemal nachgegeben hatte, so mu\u00dfte er es auch zum zweitenmal.<\/p>\n<p>Die Kinder waren aber noch wach gewesen und hatten das Gespr\u00e4ch mitangeh\u00f6rt. Als die Alten schliefen, stand H\u00e4nsel wieder auf, wollte hinaus und die Kieselsteine auflesen, wie das vorigemal; aber die Frau hatte die T\u00fcr verschlossen, und H\u00e4nsel konnte nicht heraus. Aber er tr\u00f6stete sein Schwesterchen und sprach: \u00bbWeine nicht, Gretel, und schlaf nur ruhig, der liebe Gott wird uns schon helfen.\u00ab<\/p>\n<p>Am fr\u00fchen Morgen kam die Frau und holte die Kinder aus dem Bette. Sie erhielten ihr St\u00fcckchen Brot, das war aber noch kleiner als das vorigemal. Auf dem Wege nach dem Wald br\u00f6ckelte es H\u00e4nsel in der Tasche, stand oft still und warf ein Br\u00f6cklein auf die Erde. \u00bbH\u00e4nsel, was stehst du und guckst dich um?\u00ab sagte der Vater, \u00bbgeh deiner Wege!\u00ab\u00a0\u2013 \u00bbIch sehe nach meinem T\u00e4ubchen, das sitzt auf dem Dache und will mir Ade sagen,\u00ab antwortete H\u00e4nsel. \u00bbNarr,\u00ab sagte die Frau, \u00bbdas ist dein T\u00e4ubchen nicht, das ist die Morgensonne, die auf den Schornstein oben scheint.\u00ab H\u00e4nsel aber warf nach und nach alle Br\u00f6cklein auf den Weg.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-409\" src=\"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-3.jpg\" alt=\"\" width=\"1670\" height=\"457\" srcset=\"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-3.jpg 1670w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-3-640x175.jpg 640w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-3-800x219.jpg 800w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-3-768x210.jpg 768w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-3-1536x420.jpg 1536w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-3-1500x410.jpg 1500w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-3-705x193.jpg 705w\" sizes=\"auto, (max-width: 1670px) 100vw, 1670px\" \/><\/p>\n<p>Die Frau f\u00fchrte die Kinder noch tiefer in den Wald, wo sie ihr Lebtag noch nicht gewesen waren. Da ward wieder ein gro\u00dfes Feuer angemacht, und die Mutter sagte: \u00bbBleibt nur da sitzen, ihr Kinder, und wenn ihr m\u00fcde seid, k\u00f6nnt ihr ein wenig schlafen. Wir gehen in den Wald und hauen Holz, und abends, wenn wir fertig sind, kommen wir und holen euch ab.\u00ab Als es Mittag war, teilte Gretel ihr Brot mit H\u00e4nsel, der sein St\u00fcck auf den Weg gestreut hatte. Dann schliefen sie ein, und der Abend verging; aber niemand kam zu den armen Kindern. Sie erwachten erst in der finstern Nacht, und H\u00e4nsel tr\u00f6stete sein Schwesterchen und sagte: \u00bbWart nur, Gretel, bis der Mond aufgeht, dann werden wir die Brotbr\u00f6cklein sehen, die ich ausgestreut habe, die zeigen uns den Weg nach Haus.\u00ab Als der Mond kam, machten sie sich auf, aber sie fanden kein Br\u00f6cklein mehr, denn die viel tausend V\u00f6gel, die im Walde und im Felde umherfliegen, die hatten sie weggepickt. H\u00e4nsel sagte zu Gretel: \u00bbWir werden den Weg schon finden.\u00ab Aber sie fanden ihn nicht. Sie gingen die ganze Nacht und noch einen Tag von Morgen bis Abend, aber sie kamen aus dem Wald nicht heraus und waren so hungrig, denn sie hatten nichts als die paar Beeren, die auf der Erde standen. Und weil sie so m\u00fcde waren, da\u00df die Beine sie nicht mehr tragen wollten, so legten sie sich unter einen Baum und schliefen ein.<\/p>\n<p>Nun war\u2019s schon der dritte Morgen, da\u00df sie ihres Vaters Haus verlassen hatten. Sie fingen wieder an zu gehen, aber sie gerieten immer tiefer in den Wald, und wenn nicht bald Hilfe kam, mu\u00dften sie verschmachten. Als es Mittag war, sahen sie ein sch\u00f6nes, schneewei\u00dfes V\u00f6gelein auf einem Ast sitzen, das sang so sch\u00f6n, da\u00df sie stehen blieben und ihm zuh\u00f6rten. Und als es fertig war, schwang es seine Fl\u00fcgel und flog vor ihnen her, und sie gingen ihm nach, bis sie zu einem H\u00e4uschen gelangten, auf dessen Dach es sich setzte, und als sie ganz nahe herankamen, so sahen sie, da\u00df das H\u00e4uslein aus Brot gebaut war und mit Kuchen gedeckt; aber die Fenster waren von hellem Zucker. \u00bbDa wollen wir uns dranmachen,\u00ab sprach H\u00e4nsel, \u00bbund eine gesegnete Mahlzeit halten. Ich will ein St\u00fcck vom Dach essen, Gretel, du kannst vom Fenster essen, das schmeckt s\u00fc\u00df.\u00ab H\u00e4nsel reichte in die H\u00f6he und brach sich ein wenig vom Dach ab, um zu versuchen, wie es schmeckte, und Gretel stellte sich an die Scheiben und knupperte daran. Da rief eine feine Stimme aus der Stube heraus:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-418\" src=\"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-4.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"732\" srcset=\"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-4.jpg 800w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-4-328x480.jpg 328w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-4-410x600.jpg 410w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-4-768x1125.jpg 768w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-4-481x705.jpg 481w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p>\u00bbKnupper, knupper, Kneischen,<br \/>\nWer knuppert an meinem H\u00e4uschen?\u00ab<\/p>\n<p>Die Kinder antworteten:<\/p>\n<p>\u00bbDer Wind, der Wind,<br \/>\nDas himmlische Kind,\u00ab<\/p>\n<p>und a\u00dfen weiter, ohne sich irre machen zu lassen. H\u00e4nsel, dem das Dach sehr gut schmeckte, ri\u00df sich ein gro\u00dfes St\u00fcck davon herunter, und Gretel stie\u00df eine ganze runde Fensterscheibe heraus, setzte sich nieder und tat sich wohl damit. Da ging auf einmal die T\u00fcre auf, und eine steinalte Frau, die sich auf eine Kr\u00fccke st\u00fctzte, kam herausgeschlichen. H\u00e4nsel und Gretel erschraken so gewaltig, da\u00df sie fallen lie\u00dfen, was sie in den H\u00e4nden hielten. Die Alte aber wackelte mit dem Kopfe und sprach: \u00bbEi, ihr lieben Kinder, wer hat euch hierher gebracht? Kommt nur herein und bleibt bei mir, es geschieht euch kein Leid.\u00ab Sie fa\u00dfte beide an der Hand und f\u00fchrte sie in ihr H\u00e4uschen. Da ward ein gutes Essen aufgetragen, Milch und Pfannkuchen mit Zucker, \u00c4pfel und N\u00fcsse. Hernach wurden zwei sch\u00f6ne Bettlein wei\u00df gedeckt, und H\u00e4nsel und Gretel legten sich hinein und meinten, sie w\u00e4ren im Himmel.<\/p>\n<p>Die Alte hatte sich nur freundlich angestellt, sie war aber eine b\u00f6se Hexe, die den Kindern auflauerte, und hatte das Broth\u00e4uslein blo\u00df gebaut, um sie herbeizulocken. Wenn eins in ihre Gewalt kam, so machte sie es tot, kochte es und a\u00df es, und das war ihr ein Festtag. Die Hexen haben rote Augen und k\u00f6nnen nicht weit sehen, aber sie haben eine feine Witterung wie die Tiere und merken\u2019s, wenn Menschen herankommen. Als H\u00e4nsel und Gretel in ihre N\u00e4he kamen, da lachte sie boshaft und sprach h\u00f6hnisch: \u00bbDie habe ich, die sollen mir nicht wieder entwischen!\u00ab Fr\u00fch morgens, ehe die Kinder erwacht waren, stand sie schon auf, und als sie beide so lieblich ruhen sah, mit den vollen roten Backen, so murmelte sie vor sich hin: \u00bbDas wird ein guter Bissen werden.\u00ab Da packte sie H\u00e4nsel mit ihrer d\u00fcrren Hand und trug ihn in einen kleinen Stall und sperrte ihn mit einer Gittert\u00fcre ein. Er mochte schrein, wie er wollte, es half ihm nichts. Dann ging sie zur Gretel, r\u00fcttelte sie wach und rief: \u00bbSteh auf, Faulenzerin, trag Wasser und koch deinem Bruder etwas Gutes, der sitzt drau\u00dfen im Stall und soll fett werden. Wenn er fett ist, so will ich ihn essen.\u00ab Gretel fing an bitterlich zu weinen; aber es war alles vergeblich, sie mu\u00dfte tun, was die b\u00f6se Hexe verlangte.<\/p>\n<p>Nun ward dem armen H\u00e4nsel das beste Essen gekocht, aber Gretel bekam nichts als Krebsschalen. Jeden Morgen schlich die Alte zu dem St\u00e4llchen und rief: \u00bbH\u00e4nsel, streck deine Finger heraus, damit ich f\u00fchle, ob du bald fett bist.\u00ab H\u00e4nsel streckte ihr aber ein Kn\u00f6chlein heraus, und die Alte, die tr\u00fcbe Augen hatte, konnte es nicht sehen und meinte, es w\u00e4ren H\u00e4nsels Finger, und verwunderte sich, da\u00df er gar nicht fett werden wollte. Als vier Wochen herum waren und H\u00e4nsel immer mager blieb, da \u00fcberkam sie die Ungeduld, und sie wollte nicht l\u00e4nger warten. \u00bbHeda, Gretel,\u00ab rief sie dem M\u00e4dchen zu, \u00bbsei flink und trag Wasser! H\u00e4nsel mag fett oder mager sein, morgen will ich ihn schlachten und kochen.\u00ab Ach, wie jammerte das arme Schwesterchen, als es das Wasser tragen mu\u00dfte, und wie flossen ihm die Tr\u00e4nen \u00fcber die Backen herunter! \u00bbLieber Gott, hilf uns doch,\u00ab rief sie aus, \u00bbh\u00e4tten uns nur die wilden Tiere im Wald gefressen, so w\u00e4ren wir doch zusammen gestorben!\u00ab\u00a0\u2013 \u00bbSpar nur dein Gepl\u00e4rre,\u00ab sagte die Alte, \u00bbes hilft dir alles nichts.\u00ab<\/p>\n<p>Fr\u00fchmorgens mu\u00dfte Gretel heraus, den Kessel mit Wasser aufh\u00e4ngen und Feuer anz\u00fcnden. \u00bbErst wollen wir backen,\u00ab sagte die Alte, \u00bbich habe den Backofen schon eingeheizt und den Teig geknetet.\u00ab Sie stie\u00df das arme Gretel hinaus zu dem Backofen, aus dem die Feuerflammen schon herausschlugen \u00bbKriech hinein,\u00ab sagte die Hexe, \u00bbund sieh zu, ob recht eingeheizt ist, damit wir das Brot hineinschieben k\u00f6nnen.\u00ab Und wenn Gretel darin war, wollte sie den Ofen zumachen und Gretel sollte darin braten, und dann wollte sie\u2019s aufessen. Aber Gretel merkte, was sie im Sinn hatte, und sprach: \u00bbIch wei\u00df nicht, wie ich\u2019s machen soll; wie komm ich da hinein?\u00ab\u00a0\u2013 \u00bbDumme Gans,\u00ab sagte die Alte, \u00bbdie \u00d6ffnung ist gro\u00df genug, siehst du wohl, ich k\u00f6nnte selbst hinein,\u00ab krabbelte heran und steckte den Kopf in den Backofen. Da gab ihr Gretel einen Sto\u00df, da\u00df sie weit hineinfuhr, machte die eiserne T\u00fcr zu und schob den Riegel vor. Hu! Da fing sie an zu heulen, ganz grauselich; aber Gretel lief fort, und die gottlose Hexe mu\u00dfte elendiglich verbrennen.<\/p>\n<p>Gretel aber lief schnurstracks zum H\u00e4nsel, \u00f6ffnete sein St\u00e4llchen und rief: \u00bbH\u00e4nsel, wir sind erl\u00f6st, die alte Hexe ist tot.\u00ab Da sprang H\u00e4nsel heraus wie ein Vogel aus dem K\u00e4fig, wenn ihm die T\u00fcre aufgemacht wird. Wie haben sie sich gefreut sind sich um den Hals gefallen, sind herumgesprungen und haben sich gek\u00fc\u00dft! Und weil sie sich nicht mehr zu f\u00fcrchten brauchten, so gingen sie in das Haus der Hexe hinein. Da standen in allen Ecken Kasten mit Perlen und Edelsteinen. \u00bbDie sind noch besser als Kieselsteine,\u00ab sagte H\u00e4nsel und steckte in seine Taschen, was hinein wollte. Und Gretel sagte:\u00ab Ich will auch etwas mit nach Haus bringen,\u00ab und f\u00fcllte sein Sch\u00fcrzchen voll. \u00bbAber jetzt wollen wir fort,\u00ab sagte H\u00e4nsel, \u00bbdamit wir aus dem Hexenwald herauskommen.\u00ab Als sie aber ein paar Stunden gegangen waren, gelangten sie an ein gro\u00dfes Wasser. \u00bbWir k\u00f6nnen nicht hin\u00fcber,\u00ab sprach H\u00e4nsel, \u00bbich seh keinen Steg und keine Br\u00fccke.\u00ab\u00a0\u2013 \u00bbHier f\u00e4hrt auch kein Schiffchen,\u00ab antwortete Gretel, \u00bbaber da schwimmt eine wei\u00dfe Ente, wenn ich die bitte, so hilft sie uns hin\u00fcber.\u00ab<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-410\" src=\"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-5.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"399\" srcset=\"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-5.jpg 784w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-5-602x480.jpg 602w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-5-753x600.jpg 753w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-5-768x612.jpg 768w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/06_HG-5-705x562.jpg 705w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p>Da rief sie:<\/p>\n<p>\u00bbEntchen, Entchen,<br \/>\nDa steht Gretel und H\u00e4nsel.<br \/>\nKein Steg und keine Br\u00fccke,<br \/>\nNimm uns auf deinen wei\u00dfen R\u00fccken.\u00ab<\/p>\n<p>Das Entchen kam auch heran, und H\u00e4nsel setzte sich auf und bat sein Schwesterchen, sich zu ihm zu setzen. \u00bbNein,\u00ab antwortete Gretel, \u00bbes wird dem Entchen zu schwer, es soll uns nacheinander hin\u00fcberbringen.\u00ab Das tat das gute Tierchen, und als sie gl\u00fccklich dr\u00fcben waren und ein Weilchen fortgingen, da kam ihnen der Wald immer bekannter und immer bekannter vor, und endlich erblickten sie von weitem ihres Vaters Haus. Da fingen sie an zu laufen, st\u00fcrzten in die Stube hinein und fielen ihrem Vater um den Hals. Der Mann hatte keine frohe Stunde gehabt, seitdem er die Kinder im Walde gelassen hatte, die Frau aber war gestorben. Gretel sch\u00fcttelte sein Sch\u00fcrzchen aus, da\u00df die Perlen und Edelsteine in der Stube herumsprangen, und H\u00e4nsel warf eine Handvoll nach der andern aus seiner Tasche dazu. Da hatten alle Sorgen ein Ende, und sie lebten in lauter Freude zusammen. Mein M\u00e4rchen ist aus, dort lauft eine Maus, wer sie f\u00e4ngt, darf sich eine gro\u00dfe Pelzkappe daraus machen.<\/p>\n<\/div><\/section><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-208","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/208","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=208"}],"version-history":[{"count":9,"href":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/208\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":419,"href":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/208\/revisions\/419"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=208"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=208"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=208"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}