{"id":252,"date":"2019-12-22T00:00:53","date_gmt":"2019-12-21T23:00:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/?p=252"},"modified":"2019-12-21T21:11:46","modified_gmt":"2019-12-21T20:11:46","slug":"die-gaensemagd-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/die-gaensemagd-2\/","title":{"rendered":"Die G\u00e4nsemagd"},"content":{"rendered":"<div   data-size='no scaling'  data-lightbox_size='large'  data-animation='slide'  data-conditional_play=''  data-ids='41'  data-video_counter='0'  data-autoplay='false'  data-bg_slider='false'  data-slide_height=''  data-handle='av_slideshow'  data-interval='5'  data-class=' avia-builder-el-0  el_before_av_one_full  avia-builder-el-first  '  data-el_id=''  data-css_id=''  data-scroll_down=''  data-control_layout='av-control-hidden'  data-custom_markup=''  data-perma_caption=''  data-autoplay_stopper=''  data-image_attachment=''  data-min_height='0px'  class='avia-slideshow avia-slideshow-1  av-control-hidden av-default-height-applied avia-slideshow-no scaling av_slideshow  avia-builder-el-0  el_before_av_one_full  avia-builder-el-first   avia-slide-slider '  itemprop=\"image\" itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/ImageObject\" ><ul class='avia-slideshow-inner ' style='padding-bottom: 41.35%;' ><li  class=' av-single-slide slide-1 ' ><div data-rel='slideshow-1' class='avia-slide-wrap '   ><img src='http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/22_pnet_Adventskalender2019_Web-Header_gaensemagd.jpg' width='2000' height='827' title='' alt=''  itemprop=\"thumbnailUrl\"   \/><\/div><\/li><\/ul><\/div>\n<div class=\"flex_column av_one_full  flex_column_div av-zero-column-padding first  avia-builder-el-1  el_after_av_slideshow  avia-builder-el-last  \" style='border-radius:0px; '><section class=\"av_textblock_section \"  itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/BlogPosting\" itemprop=\"blogPost\" ><div class='avia_textblock  '   itemprop=\"text\" ><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-541\" src=\"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/22_G\u00e4nsemagd-1-1.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"168\" \/><\/p>\n<p class=\"maerchen\">Es lebte einmal eine alte K\u00f6nigin, der war ihr Gemahl schon lange Jahre gestorben, und sie hatte eine sch\u00f6ne Tochter. Wie die erwuchs, wurde sie weit \u00fcber Feld an einen K\u00f6nigssohn versprochen. Als nun die Zeit kam, wo sie verm\u00e4hlt werden sollte und nun das Kind in das fremde Reich abreisen mu\u00dfte, packte ihr die Alte gar viel k\u00f6stliches Ger\u00e4t und Geschmeide ein, Gold und Silber, Becher und Kleinode, kurz alles, was nur zu einem k\u00f6niglichen Brautschatz geh\u00f6rte, denn sie hatte ihr Kind von Herzen lieb. Auch gab sie ihr eine Kammerjungfer bei, welche mitreiten und die Braut in die H\u00e4nde des Br\u00e4utigams \u00fcberliefern sollte. Und jede bekam ein Pferd zur Reise, aber das Pferd der K\u00f6nigstochter hie\u00df Falada und konnte sprechen. Wie nun die Abschiedsstunde da war, begab sich die alte Mutter in ihre Schlafkammer, nahm ein Messerlein und schnitt damit in ihre Finger, da\u00df sie bluteten; darauf hielt sie ein wei\u00dfes L\u00e4ppchen unter und lie\u00df drei Tropfen Blut hineinfallen, gab sie der Tochter und sprach: \u00bbLiebes Kind, verwahre sie wohl, sie werden dir unterwegs not tun.\u00ab<\/p>\n<p>Also nahmen beide voneinander betr\u00fcbten Abschied. Das L\u00e4ppchen steckte die K\u00f6nigstochter in ihren Busen vor sich, setzte sich aufs Pferd und zog nun fort zu ihrem Br\u00e4utigam. Da sie eine Stunde geritten waren, empfand sie hei\u00dfen Durst und sprach zu ihrer Kammerjungfer: \u00bbSteig\u2019 ab und sch\u00f6pfe mir mit meinem Becher, den du f\u00fcr mich mitgenommen hast, Wasser aus dem Bache, ich m\u00f6chte gern einmal trinken.\u00ab\u00a0\u2013 \u00bbWenn Ihr Durst habt\u00ab, sprach die Kammerjungfer, \u00bbso steigt selber ab, legt Euch ans Wasser und trinkt, ich mag Eure Magd nicht sein.\u00ab Da stieg die K\u00f6nigstochter vor gro\u00dfem Durst herunter, neigte sich \u00fcber das Wasser im Bach und trank und durfte nicht aus dem goldenen Becher trinken. Da sprach sie: \u00bbAch Gott!\u00ab Da antworteten die drei Blutstropfen: \u00bbWenn das deine Mutter w\u00fc\u00dfte, das Herz im Leib t\u00e4t ihr zerspringen.\u00ab Aber die K\u00f6nigsbraut war dem\u00fctig, sagte nichts und stieg wieder zu Pferde. So ritten sie etliche Meilen weiter fort, aber der Tag war warm, die Sonne stach, und sie durstete bald von neuem. Da sie nun an einen Wasserflu\u00df kamen, rief sie noch einmal ihrer Kammerjungfer: \u00bbSteig\u2019 ab und gib mir aus meinem Goldbecher zu trinken\u00ab, denn sie hatte alle b\u00f6sen Worte l\u00e4ngst vergessen. Die Kammerjungfer sprach aber noch hochm\u00fctiger: \u00bbWollt Ihr trinken, so trinkt allein, ich mag nicht Eure Magd sein.\u00ab Da stieg die K\u00f6nigstochter hernieder vor gro\u00dfem Durst, legte sich \u00fcber das flie\u00dfende Wasser, weinte und sprach: \u00bbAch Gott!\u00ab und die Blutstropfen antworteten wiederum: \u00bbWenn das deine Mutter w\u00fc\u00dfte, das Herz im Leibe t\u00e4t ihr zerspringen.\u00ab Und wie sie so trank und sich recht \u00fcberlehnte, fiel ihr das L\u00e4ppchen, worin die drei Tropfen waren, aus dem Busen und flo\u00df mit dem Wasser fort, ohne da\u00df sie es in ihrer gro\u00dfen Angst merkte. Die Kammerjungfer hatte aber zugesehen und freute sich, da\u00df sie Gewalt \u00fcber die Braut bek\u00e4me; denn damit, da\u00df diese die Blutstropfen verloren hatte, war sie schwach und machtlos geworden. Als sie nun wieder auf ihr Pferd steigen wollte, das da hie\u00df Falada, sagte die Kammerfrau: \u00bbAuf Falada geh\u00f6re ich, und auf meinen Gaul geh\u00f6rst du;\u00ab und das mu\u00dfte sie sich gefallen lassen. Dann befahl ihr die Kammerfrau mit harten Worten, die k\u00f6niglichen Kleider auszuziehen und ihre schlechten anzulegen, und endlich mu\u00dfte sie sich unter freiem Himmel verschw\u00f6ren, da\u00df sie am k\u00f6niglichen Hof keinem Menschen etwas davon sprechen wollte; und wenn sie diesen Eid nicht abgelegt h\u00e4tte, w\u00e4re sie auf der Stelle umgebracht worden. Aber Falada sah das alles an und nahm\u2019s wohl in acht.<\/p>\n<p>Die Kammerfrau stieg nun auf Falada und die wahre Braut auf das schlechte Ro\u00df, und so zogen sie weiter, bis sie endlich in dem k\u00f6niglichen Schlo\u00df eintrafen. Da war gro\u00dfe Freude \u00fcber ihre Ankunft, und der K\u00f6nigssohn sprang ihnen entgegen, hob die Kammerfrau vom Pferde und meinte, sie w\u00e4re seine Gemahlin. Sie ward die Treppe hinaufgef\u00fchrt, die wahre K\u00f6nigstochter aber mu\u00dfte unten stehenbleiben. Da schaute der alte K\u00f6nig am Fenster und sah sie im Hof halten und sah, wie sie fein war, zart und gar sch\u00f6n; ging alsbald hin ins k\u00f6nigliche Gemach und fragte die Braut nach der, die sie bei sich h\u00e4tte und da unten im Hof st\u00e4nde und wer sie w\u00e4re? \u00bbDie hab ich mir unterwegs mitgenommen zur Gesellschaft; gebt der Magd was zu arbeiten, da\u00df sie nicht m\u00fc\u00dfig steht.\u00ab Aber der alte K\u00f6nig hatte keine Arbeit f\u00fcr sie und wu\u00dfte nichts, als da\u00df er sagte: \u00bbDa hab ich so einen kleinen Jungen, der h\u00fctet die G\u00e4nse, dem mag sie helfen.\u00ab Der Junge hie\u00df K\u00fcrdchen (Konr\u00e4dchen), dem mu\u00dfte die wahre Braut helfen G\u00e4nse h\u00fcten.<\/p>\n<p>Bald aber sprach die falsche Braut zu dem jungen K\u00f6nig: \u00bbLiebster Gemahl, ich bitte Euch, tut mir einen Gefallen!\u00ab Er antwortete: \u00bbDas will ich gerne tun.\u00ab\u00a0\u2013 \u00bbNun, so la\u00dft den Schinder rufen und da dem Pferde, worauf ich hergeritten bin, den Hals abhauen, weil es mich unterwegs ge\u00e4rgert hat.\u00ab Eigentlich aber f\u00fcrchtete sie, da\u00df das Pferd sprechen m\u00f6chte, wie sie mit der K\u00f6nigstochter umgegangen war. Nun war das so weit geraten, da\u00df es geschehen und der treue Falada sterben sollte, da kam es auch der rechten K\u00f6nigstochter zu Ohr, und sie versprach dem Schinder heimlich ein St\u00fcck Geld, das sie ihm bezahlen wollte, wenn er ihr einen kleinen Dienst erwiese. In der Stadt war ein gro\u00dfes finsteres Tor, wo sie abends und morgens mit den G\u00e4nsen durch mu\u00dfte, unter das finstere Tor m\u00f6chte er dem Falada seinen Kopf hinnageln, da\u00df sie ihn doch noch mehr als einmal sehen k\u00f6nnte. Also versprach das der Schindersknecht zu tun, hieb den Kopf ab und nagelte ihn unter das finstere Tor fest.<\/p>\n<p>Des Morgens fr\u00fch, da sie und K\u00fcrdchen unterm Tor hinaustrieben, sprach sie im Vorbeigehen:<\/p>\n<p>\u00bbO du Falada, da du hangest.\u00ab<\/p>\n<p>Da antwortete der Kopf:<\/p>\n<p>\u00bbO du Jungfer K\u00f6nigin, da du gangest,<br \/>\nwenn das deine Mutter w\u00fc\u00dfte,<br \/>\nihr Herz t\u00e4t ihr zerspringen.\u00ab<\/p>\n<p>Da zog sie still weiter zur Stadt hinaus, und sie trieben die G\u00e4nse aufs Feld. Und wenn sie auf der Wiese angekommen war, sa\u00df sie nieder und machte ihre Haare auf, die waren eitel Gold, und K\u00fcrdchen sah sie und freute sich, wie sie gl\u00e4nzten, und wollte ihr ein paar ausraufen. Da sprach sie:<\/p>\n<p>\u00bbWeh, weh, Windchen,<br \/>\nnimm K\u00fcrdchen sein H\u00fctchen,<br \/>\nund lass\u2019n sich mit jagen,<br \/>\nbis ich mich geflochten und geschnatzt<br \/>\nund wieder aufgesatzt.\u00ab<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-542 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/22_G\u00e4nsemagd-2.jpg\" alt=\"\" width=\"1500\" height=\"801\" srcset=\"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/22_G\u00e4nsemagd-2.jpg 1500w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/22_G\u00e4nsemagd-2-640x342.jpg 640w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/22_G\u00e4nsemagd-2-800x427.jpg 800w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/22_G\u00e4nsemagd-2-768x410.jpg 768w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/22_G\u00e4nsemagd-2-705x376.jpg 705w\" sizes=\"auto, (max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><\/p>\n<p>Und da kam ein so starker Wind, da\u00df er dem K\u00fcrdchen sein H\u00fctchen weg wehte \u00fcber alle Land, und es mu\u00dfte ihm nachlaufen. Bis er wiederkam, war sie mit dem K\u00e4mmen und Aufsetzen fertig, und er konnte keine Haare kriegen. Da ward K\u00fcrdchen b\u00f6s und sprach nicht mit ihr; und so h\u00fcteten sie die G\u00e4nse, bis da\u00df es Abend ward, dann gingen sie nach Haus.<\/p>\n<p>Den andern Morgen, wie sie unter dem finstern Tor hinaustrieben, sprach die Jungfrau:<\/p>\n<p>\u00bbO du Falada, da du hangest.\u00ab<\/p>\n<p>Falada antwortete:<\/p>\n<p>\u00bbO du Jungfer K\u00f6nigin, da du gangest,<br \/>\nwenn das deine Mutter w\u00fc\u00dfte,<br \/>\nihr Herz t\u00e4t ihr zerspringen.\u00ab<\/p>\n<p>Und in dem Feld setzte sie sich wieder auf die Wiese und fing an, ihr Haar auszuk\u00e4mmen, und K\u00fcrdchen lief und wollte danach greifen, da sprach sie schnell:<\/p>\n<p>\u00bbWeh, weh, Windchen,<br \/>\nnimm K\u00fcrdchen sein H\u00fctchen,<br \/>\nund lass\u2019n sich mit jagen,<br \/>\nbis ich mich geflochten und geschnatzt<br \/>\nund wieder aufgesatzt.\u00ab<\/p>\n<p>Da wehte der Wind und wehte ihm das H\u00fctchen vom Kopf weit weg, da\u00df K\u00fcrdchen nachlaufen mu\u00dfte, und als es wiederkam, hatte sie l\u00e4ngst ihr Haar zurecht, und es konnte keins davon erwischen, und so h\u00fcteten sie die G\u00e4nse, bis es Abend ward.<\/p>\n<p>Abends aber, nachdem sie heimgekommen waren, ging K\u00fcrdchen vor den alten K\u00f6nig und sagte: \u00bbMit dem M\u00e4dchen will ich nicht l\u00e4nger G\u00e4nse h\u00fcten!\u00ab\u00a0\u2013 \u00bbWarum denn?\u00ab fragte der alte K\u00f6nig. \u00bbEi, das \u00e4rgert mich den ganzen Tag.\u00ab Da befahl ihm der alte K\u00f6nig zu erz\u00e4hlen, wie\u2019s ihm denn mit ihr ginge. Da sagte K\u00fcrdchen: \u00bbMorgens, wenn wir unter dem finstern Tor mit der Herde durchkommen, so ist da ein Gaulskopf an der Wand, zu dem redet sie:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-544\" src=\"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/22_G\u00e4nsemagd-3.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"479\" srcset=\"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/22_G\u00e4nsemagd-3.jpg 600w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/22_G\u00e4nsemagd-3-401x480.jpg 401w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/22_G\u00e4nsemagd-3-501x600.jpg 501w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/22_G\u00e4nsemagd-3-588x705.jpg 588w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>\u00bbFalada, da du hangest.\u00ab<\/p>\n<p>Da antwortet der Kopf:<\/p>\n<p>\u00bbO du K\u00f6nigsjungfer, da du gangest,<br \/>\nwenn das deine Mutter w\u00fc\u00dfte,<br \/>\nihr Herz t\u00e4t\u2019 ihr zerspringen!\u00ab<\/p>\n<p>Und so erz\u00e4hlte K\u00fcrdchen weiter, was auf der G\u00e4nsewiese gesch\u00e4he und wie es da dem Hut im Winde nachlaufen m\u00fc\u00dfte.<\/p>\n<p>Der alte K\u00f6nig befahl ihm, den n\u00e4chsten Tag wieder hinauszutreiben, und er selbst, wie es Morgen war, setzte sich hinter das finstere Tor und h\u00f6rte da, wie sie mit dem Haupt des Falada sprach. Und dann ging er ihr auch nach in das Feld und barg sich in einem Busch auf der Wiese. Da sah er nun bald mit seinen eigenen Augen, wie die G\u00e4nsemagd die Herde getrieben brachte und wie nach einer Weile sie sich setzte und ihre Haare losflocht, die strahlten von Glanz. Gleich sprach sie wieder:<\/p>\n<p>\u00bbWeh, weh, Windchen,<br \/>\nfa\u00df K\u00fcrdchen sein H\u00fctchen,<br \/>\nund lass\u2019n sich mit jagen,<br \/>\nbis ich mich geflochten und geschnatzt<br \/>\nund wieder aufgesatzt.\u00ab<\/p>\n<p>Da kam ein Windsto\u00df und fuhr mit K\u00fcrdchens Hut weg, da\u00df es weit zu laufen hatte, und die Magd k\u00e4mmte und flocht ihre Locken still fort, welches der alte K\u00f6nig alles beobachtete. Darauf ging er unbemerkt zur\u00fcck, und als abends die G\u00e4nsemagd heimkam, rief er sie beiseite und fragte, warum sie dem allem so t\u00e4te. \u00bbDas darf ich Euch nicht sagen und darf auch keinem Menschen mein Leid klagen, denn so hab\u2019 ich mich unter freiem Himmel verschworen, weil ich sonst um mein Leben gekommen w\u00e4re.\u00ab Er drang in sie und lie\u00df ihr keinen Frieden, aber er konnte nichts aus ihr herausbringen. Da sprach er: \u00bbWenn du mir nichts sagen willst, so klag\u2019 dem Eisenofen da dein Leid\u00ab, und ging fort. Da kroch sie in den Eisenofen, fing an zu jammern und zu weinen, sch\u00fcttete ihr Herz aus und sprach: \u00bbDa sitze ich nun von aller Welt verlassen und bin doch eine K\u00f6nigstochter, und eine falsche Kammerjungfer hat mich mit Gewalt dahin gebracht, da\u00df ich meine k\u00f6niglichen Kleider habe ablegen m\u00fcssen, und hat meinen Platz bei meinem Br\u00e4utigam eingenommen, und ich mu\u00df als G\u00e4nsemagd gemeine Dienste tun. Wenn das meine Mutter w\u00fc\u00dfte, das Herz im Leib t\u00e4t\u2019 ihr zerspringen.\u00ab Der alte K\u00f6nig stand aber au\u00dfen an der Ofenr\u00f6hre, lauerte ihr zu und h\u00f6rte, was sie sprach. Da kam er wieder herein und lie\u00df sie aus dem Ofen gehen. Da wurden ihr k\u00f6nigliche Kleider angetan, und es schien ein Wunder, wie sie so sch\u00f6n war. Der alte K\u00f6nig rief seinen Sohn und offenbarte ihm, da\u00df er die falsche Braut h\u00e4tte: die w\u00e4re blo\u00df ein Kammerm\u00e4dchen, die wahre aber st\u00e4nde hier als gewesene G\u00e4nsemagd. Der junge K\u00f6nig war herzensfroh, als er ihre Sch\u00f6nheit und Tugend erblickte, und ein gro\u00dfes Mahl wurde angestellt, zu dem alle Leute und guten Freunde gebeten wurden. Obenan sa\u00df der Br\u00e4utigam, die K\u00f6nigstochter zur einen Seite und die Kammerjungfer zur andern, aber die Kammerjungfer war verblendet und erkannte jene nicht mehr in dem gl\u00e4nzenden Schmuck. Als sie nun gegessen und getrunken hatten und guten Muts waren, gab der alte K\u00f6nig der Kammerfrau ein R\u00e4tsel auf, was eine solche wert w\u00e4re, die den Herrn so und so betrogen h\u00e4tte, erz\u00e4hlte damit den ganzen Verlauf und fragte: \u00bbWelchen Urteils ist diese w\u00fcrdig?\u00ab Da sprach die falsche Braut: \u00bbDie ist nichts Besseres wert, als da\u00df sie splitternackt ausgezogen und in ein Fa\u00df gesteckt wird, das inwendig mit spitzen N\u00e4geln beschlagen ist; und zwei wei\u00dfe Pferde m\u00fcssen vorgespannt werden, die sie Gasse auf Gasse ab zu Tode schleifen.\u00ab\u00a0\u2013 \u00bbDas bist du\u00ab, sprach der alte K\u00f6nig, \u00bbund hast dein eigen Urteil gefunden, und danach soll dir widerfahren.\u00ab Und als das Urteil vollzogen war, verm\u00e4hlte sich der junge K\u00f6nig mit seiner rechten Gemahlin, und beide beherrschten ihr Reich in Frieden und Seligkeit.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-540\" src=\"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/22_G\u00e4nsemagd-4.jpg\" alt=\"\" width=\"292\" height=\"460\" srcset=\"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/22_G\u00e4nsemagd-4.jpg 700w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/22_G\u00e4nsemagd-4-305x480.jpg 305w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/22_G\u00e4nsemagd-4-381x600.jpg 381w, http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/22_G\u00e4nsemagd-4-448x705.jpg 448w\" sizes=\"auto, (max-width: 292px) 100vw, 292px\" \/><\/p>\n<\/div><\/section><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-252","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/252","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=252"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/252\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":538,"href":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/252\/revisions\/538"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=252"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=252"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.pleasantnet.de\/maerchenzeit\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=252"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}